Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, o.O., o.D. (Dezember 1715)

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/11

Ausfertigungeigenhändig

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1Durchleüchtigster Curfürst, mein herzliebster herr bruder 2Mitt dißer gutten gelegenheit komme nachmahlen, mich 3zu bedanken vmb dero liebste schreiben vndt guette wuntsch. 4Dero Liebden können versichert sein, das ich alles, was an mihr ist, 5allzeit zu bezeigung meiner bestendigen lieb zu dero dinst 6vnd aufnahm anwenden werde. Was das herzochdumb 7Limburg betrifft, verhoffe ich ganzlich, das mit hoffentlich 8baldiger volliger einrichtung der bariera mit Hollen es seine 9richtichkeit haben werde. Wegen der heirat des andren Prinzen 10von Sulsbach mues ich bekennen, das mihr die große 11vngleicheit der iahren ein zimligen anstandt machet, 12vndt ob gleich man dannach etwan die verlangte sucession 13hoffen könte, so ist doch, dass die bestendige lieb in so großer 14vngleicheit in die läng nicht dauren möchte, zuebeförchten


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15zum grosen nachteil beder, so woll der zeitligen vergnügung 16als des ewigen heils. Zue deme höre ich auch noch gahr 17nichts, was vnser bruder Pfalzgrav Carl wegen seiner 18dochter sich entschloßen, dan solte er solche dem elteren 19Prinzen von Sulsbach nit geben oder die sach, wie es scheindt, 20auf die lange bankh verschieben wollen, so weis ich nicht, 21ob nicht etwan beßer wäre, mit dem eltern Prinzen 22auf die von Reichstatt zue gedenken. Vndt falt mihr bey, 23ob nit vohr den jüngeren auf vnser schwester Lischen ihr iüngste 24dochter, welche doch (iezt, das der Prinz Allexander doht, 25der Constantin auch keine erben zue hoffen, die Königin, 26wie ich hör, auch die verlaßenschafft allein auf den Prinz Iacob 27gemacht) scheinet ein ansehnlige erbschafft zue hoffen zu 28haben vndt in den iahren mehr gleicheit währ, zue gedenken, 29due mich aber in allem dero Liebden hocherleüchten meinung vnterwerfen. 30Von hier sonsten kan mit höchster vergnügen dero Liebden die noch alzeit 31continuirnde hoffnung der Keiserin berichten, obwollen vohr etlich 32dagen ein zimlige starkhe begebenheit vohrbey gangen, wie


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33dero Liebden von der Curfürstin vernemmen werden, durch dißes aber hoffentlich 34dester mehrer die hoffnung befestigt worden. Leztlich den 35Cuhrfürsten von Trier Liebden betreffendt, so kann ich mihr 36nicht einbilden, das vnser Deütschmeister auf die 37coadiutoria von Münster könne einigen gedanken haben, 38in dem nit zu glauben, das neben dem deutschmeister- 39dum ??? Elwangen, Wormbs vndt Mains der Papst ihme dises 40bistumb laßen würde, welchs auch von dort alzuweit 41abgelegen, hingegen von Trier vndt Oßnebrukh ganz nahendt 42ist, das eins den andren beßer die handt bitten kann. Zue deme 43kombt, das einmahl der Deütschmeister nit weiter in den 44geistligen stand zue verdiefen. Iezt wirt man sehen, dah in wehnich 45dagen das geschafft wegen seiner gelder hoffentlich zum 46gutten end kommen wirt, ob sich der Pfalzgrav hirauf zum 47heiraten entlich einmahl entschließen werde, widrigen fals 48gewißlich man den Deütschmeister auch durch papstligen 49befehl dahin zue vermögen müeste gedenk, sich zue verehligen, 50dan das hauß Sulsbach nicht so leicht wirt die vollige 51sucession, wie es vohr die ehr gottes, die religion vndt


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52vnsercurhaus aufnemmen nötich, wurde behaubten können 53vndt nuhr gahr vill mit dähtlichkeiten sich darwider 54sezen wurden, also so vill immer möglich zu sehen, 55das es bey vnsern brüdern verbleiben möge. In dißer 56meinung komme auch, dero Liebden zu berichten, das der Cuhrfürst 57von Trier Liebden mich ersucht, den Bischoffen von Augschpurg, vnsern 58bruder Liebden, zu disponiren, damit er sein prebent von Münster, 59welche ihm niks nuzet, ihr Liebden möchte zu seiner 60disposition überlaßen, wardurch er auch etwan seine gutte 61freündt ein begnaden könte. Gleich wie ich nit zweifle, dero Liebden werden 62herin gahr kein bedenken haben, also bitte solches bey gedachten vnsern 63bruder, den Bischoffen, bestens auszuwürken. Mit meiner grosten 64vergnügenheit hör ich, das er nuhmehro in gutten standt, 65vnser bruder, der Pfalzgrav, dorten geweßen, in mit dem Coadiutor 66zusammen gebracht mit allerseits vergnügen, die not- 67wendichkeit aber, das er ein gutten minister an der seiten, ihm auch 68vohrgedragen, darauf er widerumb auf den Schallenberg solle 69gefallen sein, das er disen alleinig verlange. Wie nuhn dis eine 70sach, so aus allen den dero Liebden schon bekanten vmbstenden woll zue vber-


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71legen, auch dem vernemmen nach dißer ohne dero Liebden vndt hiesigen 72hoffs guttheißen sich darumb nicht anemmen will, also 73erwarte hirüber dero Liebden höchsterleüchte gedanken. In desen werde 74hier auch mit mein geliebsten sohn, dem Keiser, vnd ministren dauon reden vnd 75vernere meinung dero Liebden zue überschreiben nicht ermanglen. 76Ich hab schon dero Liebden gahr zue lang mit meiner üblen 77schrifft vngelegenheit gemacht, bitte den almechtigen, 78selbige in bestendigen wollstandt zu erhalten, werde 79ich aber leben vndt sterben 80dero Liebden 81getrewste schwester 82Eleonora