Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 11.05.1692
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/6
0001Durchleüchtiger Cuhrfürst, mein herzallerlibster herr bruder 0002Ich bitt vmb verge bung meines langen 0003stillschweigens, hab ein mahl nit zeit gehabt. 0004Freüt mich, das mich dero Liebden dero alte affection 0005versichern. Den Deütschmeister betrefent kan ich dero Liebden 0006versichern, das er niks als lieb vohr sie hatt. 0007So lang er iezt hier ist, hatt er weder reform en 0008noch Steinkallenfels ins maul genommen, 0009welches er jah leichter als schriftlich hett duen können. 0010Also sehen dero Liebden, das sie ein vngegrünte meinung 0011von ihm haben. Den Hamilton betrefent freüt mich, 0012wan mein wehnun meinung falsch gewesen, die nuhr 0013aus mihr vnd von nimant ander n in der welt
0014mihr eingerett worden, sondern aus etligen reden, die 0015er selbst gegen mich hatt schl ießen laßen. 0016Ist dem nit also, ist desto beser vnd hoff 0017ich, er werd sich allzeit befleisen, die gutte 0018harmonia vnd lieb zwischen vns geschwistern, 0019welche vnser vnuergleichliger papa im sein 0020doht bett so eifrich vns allen befohlen, vnd wohfon 0021alle vnser heil vnd glükh dependir t, zu 0022vnterhalten, amen. Ich hab ein vnausschpre chlige 0023fr eüdt, aus dero Liebden schre iben vom 29 passato zu ersehn, das 0024mein libe fraw schwegerin in einer hoffnung, gott 0025geb sein gnad. Ich hab die vohrige post 0026vergeßen, das kreüz vnd was dazue gehör t 0027bey zueschließen, kombt herbey, bitt ein schonst 0028compliment darbey abzulegen vnd mein 0029vnd ihr liebster gesanter zu sein. Hab nit 0030zeit mehr zue schr eiben, seint hir im copste 0031vnd heündt war procession. Auf dero Liebden 0032brif werden ihre Mayestät balt antworten, haben
0033heündt wegen der schpanischen post nit zeit gehabt. 0034Gott geb von allem den erwüntschten effect. 0035Ich aber werd ster ben 0036dero Liebden 0037ge trew ste schwe ster 0038Eleonora 0039Wien bey carmelitterin 0040den 11 maij 16920041Dises beygeschloßne hatt mich der Rios, 0042meiner alten camerfraw fetter, vnd sein mutter 0043hatt meiner Maria Lisel lang als cammerfraw 0044gewe st, gebetten zu reccomendirn, welches ich nit 0045hab abschlagen können wegen den beden frawen, so so 0046lang gedient haben.



