Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 29.12.1708

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/10

Ausfertigungeigenhändig

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1Durchleüchtiger Cuhrfürst, mein herzallerlibster herr bruder 2Schame mich zue erscheinen, nach dem ich so lang nit 3geschriben, gibt halt alleweil vill occupationen, werd mich 4aber befleißen zu beßern. Was dero Liebden mihr wegen vnsers schwagern 5Prinz Jacob überschiken wollen, ist es etwas hart mit 6ihm, dan er gahr vnbestendig balt eins, bals 7anderst verlangt. Was die hipotek meiner schwester 8anlangt, ist auf alleweiß notwendig, das wie bis 9dahto sie auf Olaw bleibe, welches kein bedenken 10der confirmation halber haben wirt. Wegen Piombino 11aber will er allzeit sein schuld von Saxen cedirn, 12welche ich vohr ein verlohrne schuldt halte vndt in 13dißen clemmen zeiten das bahre gelt vonöten ist. 14Sein mutter könte woll waß contribuiren dazu 15vndt auch der Alexander, wan man in includirt. Jezt


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16ist noch die frag, 1 obs recht caduc ist, 2 obs der Keiser 17oder König zu vergeben haben, ich werd aber in allen casu 18alles gern vohr in duen. Wegen seiner döchter ist freilig 19beßer, wans nit in Frankhreich heiraten, sonst kombt mihr 20vohr, er flattirt sich von villen, die nit drauf denken. In 21Schpanien seint sie zwar gesunt, aber mit dem verlust 22Denia, dem villeicht Alicanta folgen wirt, stehn sie sehr 23eng, vnd man man nit die anstalten macht, konftige 24campagne den grösten effort in Cattalognen vnd 25Portugal zu machen, werden die andren victorien vndt 26conquisten in Niderland vnd Piemont wehnig mein sohn 27helfen. Wegen Rohm hoffe ich, gott werde sein gnad geben, das 28die sach ajustirt werde, vndt ihr Heiligkeit werden erkennen, wie 29nötig der religion vnd dem publico also die 30conditiones, so der Priee proponiren wirt, eingehn, aber 31balt, dan dise sach kein anstandt leidt, weillen man 32seine mesurn darnach nemmen mues. Ich finde sein 33eigenhendigen brif an dero Liebden sehr in generalibus, also währ 34im vnmaßgeblich wider zu antworten vnd alzeit zu adhor- 35tirn zue dem ajustamento und alle inconuenientien, die 36widrigen fals darauß entstehn werden, zu representiren,


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37was aber der Bischof von Spiga schreibt, sagt ein merers. Die desar- 38mirung ist gahr gutt, vnd ware nohtwendig darbey auch 39ihr Heiligkeit nit gefärt, dan man dißerseits gahr nit verlangt, 40hostiliteten gegen dieselbe zue üben. Hoffen aber, er werde 41sich als ein pater comune erzeigen, absonderlich wegen 42erkantnus meines sohns als König in Schpanien, 43von welchen er nit woll weichen kann, dan nach deme 44ihr Heiligkeit dem Duc d' Anjou, nachdem ers vsurpirt, 45dazu erkennet, kan mein sohn nit wehniger von ein 46padre comune annemmen. Die Republig Venedig ist 47ganz ein anders, dan mit ihnen kein solche 48einigung, als ein gemeiner kirchen vatter mitt allen 49seinen kindern haben solle. Dero Liebden persuasiones werden 50hierin vill ausgeben, vndt bin ich der gänzligen 51hoffnung, das zum glükhligen ende kommen werde 52vnd dero Liebden die glori doruon haben werden. Vndt find 53ich doch aus des Bischoff relation, das der Priee sein de- 54voir woll duet. Was den hiesigen stand der sachen 55anbelangt, berichte dero Liebden in höchsten secreto als wie


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56in der beicht, das mihr zwar entlich die versicherung vohr den Traut- 57sam in casu, das der fsa wekh gieng, erhalten, doch tractirt man 58noch den Cardinal Lam her zu bringen oder als Reichshoffraht- 59president oder Conferenzraht, sott il quale si nasconde arebbe 60il patres minores, der liebste gott wolle alles zum besten schiken, 61amen. Bitt nochmahlen vmbs secreto wegen villen erhebligen 62vhrsachen. Dem Prelat von Kempten hatt die Reichshofratpräsidenten stell mein 63Keiser verschprochen vnd dißer confirmirt, so weis nit, 64wie man wirt zurukh können, wan er nit selbst es 65nit mehr verlangt, dem Lebenstein daht es schon gern gönnen. 66Due dero Liebden gahr zu lang aufhalten, lebe vnd sterbe 67dero Liebden 68getrewste schwester 69Eleonora 70Wien den 29ten decembris 170871Mein Maria Anna ist gottlob content mit 72ihren Konig . Freüdt mich, das der Prinz von Solsbach ankommen, könt 73kein beßere education haben als ich nit zweifl dero Liebden ihm 74geben werden. Gottlob, bruder Alexander wirt alle dag beßer, 75man mus es so vill möglich geheim halten, hoff, 76er soll sich völlich erholen. Förcht, ich hab neülich 77vergeßen, dero Liebden das memorial von dem p Callenberg 78zu schiken vertatur


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79Postscriptum Hätt balt das notwendigste vergeßen. Vnßer 80bruder Carl geht per terra, wan er keinen man 81bekombt, der ihm ein beßer ecconomia 82macht. Der Fuker duet, was er kan, ist aber schon 83alt vnd schwach, 2 ist es hochst nötig, das 84der Maciotti, den er erst zu dero Liebden geschikt, mit 85gutter manir von ihm wekh gebracht werde, 86dan er nuhr vneinichkeit tra marito e moglie 87macht vnd zu vill übels hilft. Ich mein, 88wan in dero Liebden vnter ein andren pretext von ihm 89begerten, nuhr auf ein zeit, als wan sie ihn zu 90was nötich emploiren wolten, dornach kan man 91weiter sehen. Bitt aber es so anzustellen, das 92er nit merkt, das es von mihr her kombt, 93daht vill erligen leüten, die ihm woll 94anstehn, schaden. Sterbe vt in litteris.